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Mittelalterlichen Kirchen

Wenn man den landläufigen Überlieferungen Glauben schenken darf, so soll sich eine erste Evangelisation im östlichen Gardaseegebiet ab dem 4. Jh. durch die emsige Bestrebung des veroneser Bischofs San Zeno "qui Veronam predicando reduxit ad baptisimo" vollzogen haben; vom Norden her bekam er etwas später tatkräftige Unterstützung durch San Vigilio, den Bischof von Trient.

Auch wenn wir die Verdienste der beiden Heiligen nicht in Abrede stellen wollen, so ist doch anzunehmen, daß die Bekehrung der Bevölkerung aus diversen Gründen einen wesentlich längeren Zeitraum in Anspruch nahm, auf Widerstand traf und oft nur indirekt über durchziehende Kaufleute oder Soldaten bzw. ansässige christianisierte Adelsfamilien ablief. Einen nicht unwesentlichen Einfluß dürften dabei auch die frommen Eremiten gehabt haben, die im wildzerklüfteten Monte Baldogebirge einen idealen Platz für ihre Meditation gefunden hatten.

Am bekanntesten waren die beiden Heiligen Benigno und Caro, die 807 die sterblichen Überreste von San Zeno in die neuerbaute Basilika in Verona überführten. Ab dem 9. Jh. erweiterten die Mönche der San Zenoabtei ihre Macht im Gardaseegebiet, indem sie zahlreiche Besitztümer erwarben und Kirchen errichten ließen.

Ungefähr im selben Zeitraum trifft man auf einen vom Veroneser Episkopat eingesetzten und zur Seelsorge bestimmten Säkularklerus, der in der typischen Struktur der sog. "Pieve" organisiert war: Die extraurbanen und ländlichen Territorien wurden in mehrere Bezirke mit einer Mutterkirche, der "Pieve" aufgeteilt, die etwa dieselben Merkmale, Privilegien und Befugnisse wie die städtische Kathedrale hatte. Jeder Pfarrsprengel ("Pievania") war einem Erzpriester, dem "Pievanio" anvertraut, der zunächst vom Priesterkollegium der Pieve, dem Volk und den Zivilbehörden designiert und dann vom Bischof bestätigt wurde. Er bewohnte gemeinsam mit den untergeordneten Priestern nahe der Pieve ein "domus sacerdotum" und kümmerte sich außer um das Seelenheil der Gemeinde auch um Verwaltungsangelegenheiten wie z.B. um die Eintreibung des Zehnt oder den Unterhalt der zugeordneten Kirchen. Nicht selten betrieb der "Pievano" auch eine örtliche Schule zur Unterrichtung zukünftiger Seminaristen.

Die untergeordneten Priester, die Kaplane, wurden in die diversen Kirchen und Kapellen des Bezirks beordert, um die sonntägliche Messe zu gewährleisten. Die wichtigsten Sakramente konnte man allerdings nur in der Pieve selbst empfangen; die dortigen Taufbecken verdeutlichen dies.

In der weiteren Entwicklung, etwa ab dem 14./15. Jh., bekamen die Kirchen in den größeren Orten einen eigenen festen Seelsorger, den Kurat, zugeteilt; später entstanden daraus von der Pieve unabhängige Pfarreien mit eigenem Erzpriester, Taufbecken etc..

Was die Kirchengeschichte von Brenzone anbelangt, so wissen wir an Hand jener berühmten päpstlichen Bulle vom 1145, daß das Territorium in diesem Zeitraum zur Pieve von Malcesine gehörte; doch mit Sicherheit sind die Ursprünge älter.

Bereits im Mittelalter waren zahlreiche Weiler über das Gebiet verstreut; einzelne Kirchen in größeren Orten dienten zur Gemeindeseelsorge. San Zeno bei Castelletto dürfte die älteste Kirche sein, auch wenn sich die erste bekannte Dokumentation auf die Kapelle der Heiligen Vito und Modesto bei Porto bezieht, die die Mönche der San Zeno Abtei gründeten; bereits 1014 wird sie in einer kaiserlichen Urkunde von Enrico II erwähnt. Diese Kapelle in Ufernähe wurde leider in neuerer Zeit abgerissen!

In einer Urkunde von 1159 sind vier Kirchen der Pieve von Malcesine unterstellt: Die schon genannte San Zeno Kirche bei Castelletto, San Nicola in Assenza, und zwei heute im Gemeindegebiet von Brenzone nicht mehr identifizierbare Kirchen (Sant'Angelo und San Simone, Giuda e Giovanni Evangelista). In der Folgezeit enstanden vier weitere Kirchen: San Pietro in Vincoli (Campo), Santa Maria in Castello, Sant'Antonio in Biasa, und in Magugnano San Giovanni Battista. Letztere wird, nachdem sie sich im Laufe des 15. Jh. von der Pieve in Malcesine gelöst hatte, die bedeutenste Kirche des Territoriums und bekommt als Pfarrkirche die obengenannten Kirchen und Kapellen unterstellt. Ende 17. Jh. gründete man die Pfarrei in Castelletto und ein halbes Jahrhundert später die von Castello.

GEFÜHRTE BESICHTIGUNG
  • Jeden Mittwoch, von Juni bis Ende September, Wanderung zu den mittelalterlichen Kirchen von Brenzone, mit Führung in deutscher Sprache.
  • Treffpunkt: Parkplatz Conad in Magugnano di Brenzone. Brotzeitpause in mitten von Olivenhainen im zauberhaften Ort Campo.
  • Dauer: ca. 4 Stunden.
  • Info und Anmeldung: IAT/Touristisches Büro Brenzone.
  • Teilnahmegebühr: 5,00 (Führung und typischer Imbiss inbegriffen).

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  1. San Nicola
  2. San Pietro
  3. Sant'Antonio
  4. San Zeno
  5. Die Römische Villa